Linus erklärt das Zähneputzen
Ich bin Linus. Ich bin 8 Jahre alt und Autist.
Ich mag Regeln. Regeln geben mir Ruhe im Kopf. Und beim Zähneputzen habe ich meine eigenen Regeln.
Viele Leute sagen, ich putze „besonders genau“. Ich finde einfach: Es ist logisch. Wenn ich es gut mache, tut es später nicht weh. Das ist logisch, oder?
Regel 1: 2 Minuten. Nicht weniger. Nicht mehr.
Ich benutze einen Timer. Der macht „pip“. Wenn ich putze ohne Timer, fühlt es sich falsch an. Wie ein Lied, das mitten aufhört.
Regel 2: Immer in derselben Reihenfolge
Ich mag Reihenfolgen. Sie fühlen sich wie Straßen an, die ich kenne. Erst oben außen. Dann innen. Dann unten. Wenn jemand beim Putzen einfach irgendwo anfängt, werde ich unruhig. Das ist wie ein Puzzle, das mitten im Bild anfängt.
Regel 3: Keine schnellen, harten Bewegungen
Viele schrubben so laut, dass es quietscht. Ich mag das Geräusch nicht. Ich mache kleine Kreisbewegungen, leise. So fühlt es sich sauberer an. Und es tut nicht weh.
Regel 4: Zunge mitputzen
Ich stelle mir vor, dass auf meiner Zunge kleine Keime sitzen. Nicht gruselig. Nur da. Ich mag es nicht, wenn Dinge „einfach da“ sind, die da nicht hingehören. Also bürste ich sie weg. Das fühlt sich dann richtig an.
Regel 5: Nicht zu viel Wasser danach
Viele spülen alles weg. Dann ist der Geschmack sofort weg. Ich mag, wenn der Geschmack ein bisschen bleibt. Das fühlt sich an wie „fertig“.
Wenn meine Zähne sauber sind, fühlt sich mein Mund ruhig an. Wenn ich sie nicht putze, fühlt sich alles falsch an – nicht nur die Zähne, auch mein Kopf.
Vielleicht denken andere nicht so viel über Zähne nach. Ich schon. Und das ist okay.
Ich bin Linus. Ich bin 8. Ich bin Autist. Ich putze so, wie es sich richtig anfühlt. Und richtig fühlt sich gut an.
Gedicht: Linus & Rexo putzen Zähne
Ich putze meine Zähne still,
so, wie ich es eben will.
Rexo steht dabei ganz nah,
guckt nur zu – doch ist er da.
Er sagt nichts, das find’ ich gut,
denn zu viele Worte tun mir nicht gut.
Er nickt nur leise, wenn ich’s kann,
genau nach meiner Reihenfolge dann.
Erst oben außen, dann innen im Kreis,
genau, nicht schnell – und niemals heiß.
Dann unten langsam, Stück für Stück,
Rexo zeigt mir kein „Mach schneller!“-Blick.
Die Zunge auch, sie muss hier raus,
sonst fühlt sich später komisch aus.
Keime weg – das fühlt sich richtig,
ruhig und sauber an, übersichtlich.
Timer piept… dann weiß ich: Schluss.
Nicht vorher, weil ich’s einfach so muss.
Rexo strahlt und zeigt sein Gebiss:
„Ordnung macht sauber!“ – und genau so ist’s.
Zähne putzen, in ruhiger Macht, mit einem Freund, der einfach mitmacht.



